TERRA PRETA – DAS SCHWARZE GOLD DES GÄRTNERS

Welcher Gärtner träumt nicht von einem reich gedeckten Tisch, voll mit selbst angebautem Obst und Gemüse? Dafür ist nicht immer ein großer Garten notwendig. Selbst auf dem Balkon oder an Fenstern lassen sich in Töpfen und Schalen mit ein wenig Einfallsreichtum ertragreiche Pflanzen selber großziehen.

Beete im Garten
Adamov – stock.adobe.com

Aber alle, egal ob Gartenbesitzer oder Wohnungsgärtner, stehen vor der Herausforderung, den Nährstoff- und Wasserbedarf der jeweiligen Pflanzen erfüllen zu müssen. Eine fantastische Lösung hierzu haben die Indios bereits vor über tausend Jahren im Amazonasbecken entwickelt: Terra Preta (Portugiesisch für „Schwarze Erde“).

Terra Preta ist kein Dünger, sondern beschreibt eine fruchtbare und nachhaltige Bodenart. Diese Wundererde der Indios, die trockene und kahle Böden in eine fruchtbare und ertragreiche Fläche verwandelt, lässt sich ganz einfach im eigenen Garten herstellen.

Es gibt keine festgelegte Zusammensetzung und jeder kann seine eigene Terra Preta nach seinen individuellen Möglichkeiten und Vorlieben selbst generieren. Ein entscheidender Inhaltsstoff, welcher in keiner Terra Preta fehlen darf, ist jedoch die Pflanzenkohle. Erst diese ermöglicht es, dass Mineralien, Nährstoffe und Wasser gespeichert und den Pflanzen bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt werden können.

Zur Herstellung gibt es je nach Möglichkeiten und/oder Vorlieben verschiedene Varianten:

HERSTELLUNG VON TERRA PRETA IM BOKASHI-EIMER

Das Wort „Bokashi“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „Allerlei“. Und genau das ist hier Programm. Alle organischen Materialien können in diesem Eimer landen.

Anders als beim Kompost können hier auch Essensreste wie Fleisch oder Fisch verwertet werden. Aber damit nicht übertreiben! Die Mischung machts.

Vorteile des Bokashi-Eimers

  • Wenig Platzbedarf
  • Das Material stinkt nicht
  • Ersetzt in der Küche den herkömmlichen Komposteimer
Bokashi-Eimer
Zenyrgarden, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Handhabung – wie befülle ich den Bokashi-Eimer richtig?

Damit die Fermentation optimal abläuft, sollte der Eimer nicht ständig befüllt werden, denn der Prozess sollte ohne Sauerstoff ablaufen. Daher sammelt man am besten den täglich anfallenden, kleingeschnittenen Küchen- und Gartenabfall und befüllt den Bokashi nur einmal am Tag damit.

Die Abfälle können mittels eines Stampfers im Eimer zusammengedrückt werden, um möglichst wenig Sauerstoff einzuschließen. Diese Schicht besprüht man gleichmäßig mit effektiven Mikroorganismen und streut anschließend die Pflanzenkohle darüber, bis alles bedeckt ist. Das wird so lange wiederholt, bis der Eimer vollständig gefüllt ist. Die oberste Schicht sollte aus Pflanzenkohle bestehen. Der Deckel muss außer zum Befüllen immer fest verschlossen sein, damit keine Luft eindringen kann.

Der Fermentationsprozess funktioniert am besten bei gleichbleibender (Zimmer-)Temperatur. Nach zwei bis drei Wochen ist der Bokashi fertig. Korrekt fermentierter Bokashi riecht säuerlich und stinkt nicht. Ein eventuell auftretender weißer Belag ist kein Qualitätsmangel. Der sich im Bokashi-Eimer anfallende Sickersaft sollte spätestens alle drei Tage abgelassen werden. Dieser eignet sich in einer Verdünnung im Gießwasser von 1:200 hervorragend für die Düngung.

Terra Preta mit Kompost herstellen
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TERRA PRETA MIT KOMPOST/ORGANISCHEM MATERIAL HERSTELLEN

In jedem Haushalt fallen automatisch pflanzliche Küchenabfälle an. Doch gerade dieser „Abfall“ steckt noch voller Vitamine, Nährstoffe und Mineralien. Es wäre doch eine Schande, diese nicht sinnvoll zu nutzen und weiterzuverwenden. Wer zudem einen Garten hat, kann zusätzlich anfallenden Grünschnitt gleich mit verwerten.

Handhabung – organische Abfälle aufwerten

Organisches Material (Küchen- oder Gartenabfälle, Kompost usw.) und Pflanzenkohle schichtweise je nach Aufkommen aufhäufen. Wir empfehlen, diese zwischendurch mit effektiven Mikroorganismen zu besprühen. Dies kann in jedem handelsüblichen Komposter erfolgen.

Um der Terra Preta weitere Mineralien hinzuzufügen, können zusätzlich dünne Schichten mit Mineralien (Gesteinsmehl, Zeolith, Muschelkalk usw.) eingebracht werden. Im Endprodukt sollte anschließend etwa 10 % Pflanzenkohle enthalten sein. Sobald sich das organische Material in Erde umgewandelt hat, kann die Terra Preta direkt in die Beete eingebracht werden.

BRENNNESSEL-/PFLANZENJAUCHE, GÜLLE ODER URIN ALS BODENWUNDER

Dieses Vorgehen erzielt zwar keine klassische Terra Preta, vollbringt im auf Boden trotzdem wahre Wunder.

Handhabung

Um die Pflanzenkohle zu aktivieren, ist diese in einem Verhältnis von 3:1 mit Brennnesseljauche, Gülle oder Urin zu wässern. In einem geschlossenen Eimer ist die Pflanzenkohle nach etwa 2 Wochen aktiviert und kann oberflächlich in den Boden eingebracht werden. Etwa 1 Liter aktivierte Pflanzenkohle pro m² Erde sind vollkommen ausreichend.

Brennnessel
pixabay
Terra Preta selbst herstellen – Carbio
pexels / Carbio

FERTIGEN HUMUS BEQUEM IN TERRA PRETA VERWANDELN

Wem die zuvor beschriebenen Prozesse zu lange dauern oder zu aufwendig sind, aber dennoch seine eigene Terra Preta herstellen möchte, kann wie folgt vorgehen:

Man kann ganz einfach Carbio-Pflanzenkohle mit torffreiem Humus aus dem Baumarkt vermischen, mit effektiven Mikroorganismen wässern und das Ganze in einem geschlossenen Eimer etwa 1–2 Wochen im Warmen stehen lassen. Fertig.

Tipp: Ihr könnt zur Herstellung der Terra Preta auch unsere Einstreukohle verwenden. Diese enthält bereits 20 % effektive Mikroorganismen.

Einstreukohle im Carbio-Shop

FERTIGE TERRA PRETA KAUFEN

Bereits fertig gemischte und aktivierte Terra Preta finden Sie in unserem Shop in praktischen 20-l-Säcken oder für den Großbedarf auch in der günstigen BigBag-Version.

Tipps für die Verwendung von Terra Preta

  • Die Beimischung von Mineralien erhöht den Nährstoffgehalt und damit auch die Qualität der Terra Preta. Hier kann z. B. Gesteinsmehl, Zeolith, Muschelkalk oder Ton zum Einsatz kommen.
  • Die fertige Terra Preta etwa 10 cm tief in das Pflanzbeet einarbeiten. Wenn möglich sollte dies bereits einige Wochen vor der Pflanzsaison erfolgen, damit sie sich mit der vorhandenen Erde gewissermaßen anfreunden kann.
  • Effektive Mikroorganismen sind in jedem gut geführten Garten- und Baumarkt mit Gartenabteilung zu finden. Alternativ kann hier aber auch frischer Sauerkrautsaft, Naturjoghurt oder Brottrunk verwendet werden.
  • Vor allem Starkzehrer profitieren von der Terra Preta. Die meisten Kräuter vertragen hingegen keine hohe Nährstoffdichte.
  • Vorsicht bei Pflanzen, die einen sauren Boden lieben. Wie z. B. Moorbeetpflanzen, Rhododendren, Heidekraut und Azaleen. Hier nur wenig einarbeiten.
Auenwälder Schwarzhumus Terra Preta

MISCHUNG VON TERRA PRETA IN VORHANDENE ERDE

Bei sandigen oder lehmigen Böden empfehlen wir ein Mischverhältnis von 1:2, bei einem sehr lehmigen Boden sogar 1:1. Durch die höhere Menge verbessert sich die Wasserspeicherfähigkeit des Lehmbodens spürbar und lässt ihn nicht so schnell hart werden.

Wenn die Terra Preta unter normale Gartenerde im Beet oder zur Blumenerde gemischt werden soll, ist ein Mischungsverhältnis von etwa 1:3 ausreichend. Sollte die vorhandene Erde bei Austrocknung sehr hart werden, können Sie das Mischverhältnis erhöhen.

BITTE BEACHTEN/ALLGEMEINE HINWEISE

Verwendet ausschließlich Pflanzenkohle, die durch Pyrolyseverfahren gewonnen wurde, keinesfalls Kohlereste aus einem Grill oder Ofen. Letztere Kohle entsteht bei unkontrollierter Verbrennung bei ungleichmäßiger Hitze und viel zu niedrigen Temperaturen. Dabei entwickeln sich große Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), welche krebserregend sind und so von deinen Pflanzen aufgenommen werden würden.

Die Wurzeln von Jungpflanzen sollten keinen direkten Kontakt mit der reinen Terra Preta haben. Diese ist sehr nährstoffreich und es besteht die Gefahr, dass diese bei direktem Kontakt „verbrennen“.

Viele weitere interessante Informationen findet ihr auch hier in unseren FAQ.

TERRA PRETA FAQ
Gemüse aus dem Garten – Terra Preta
© Ana Blazic Pavlovic/shutterstock.com

EIN WELTWEITES PHÄNOMEN

Mit der Schwarzerde der Indigos vergleichbare Substrate wurden mittlerweile an zahlreichen Orten überall auf der Welt gefunden. Von Asien über Afrika und Europa sowie in Nord- und Südamerika bis hin zu den Wikingerhochburgen im Norden Europas. Überall auf der Welt haben die unterschiedlichsten Kulturen ihre eigene Terra Preta unabhängig voneinander entwickelt und in der Landwirtschaft eingesetzt.

Die Vorteile von Terra Preta

  1. Nährstoffe werden pflanzenverfügbar gespeichert und gleichmäßig abgegeben
  2. Die enthaltene Pflanzenkohle kann das 5-Fache ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen und speichern
  3. Verbesserung der Bodenstruktur und des Bodenlebens
  4. Es kann auf den Einsatz von synthetischen Düngemitteln verzichtet werden
  5. Bodenorganismen gedeihen und Humus wird aufgebaut
  6. Mykorrhizen nehmen zu und verbessern die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen
  7. Besserer Schutz vor Schädlingen
  8. Bessere Bodendurchlüftung – es kann auf torfhaltige Gartenerde verzichtet werden, da Terra Preta ähnlich lockernde Eigenschaften wie Torf besitzt
  9. Widerstandsfähige und ertragreiche Pflanzen
  10. Das Klima wird aktiv geschützt, denn Pflanzenkohle speichert langfristig Kohlenstoff